Im Tauchkurs lernt man: 50 bar Reserve.
Warum genau 50 bar?
Mir fallen dafür 2 Gründe ein:
1. Man kann es sich gut merken.
2. Früher hatten die Flaschen eine Reserveschaltung bei 50 bar.
50 bar Reserve können allerdings zu viel sein (im Flachbereich eines Sees ohne Strömung wäre es Verschwendung, den Tauchgang so früh abzubrechen), aber auch viel zu wenig (für einen Notaufstieg zusammen mit dem Buddy an einer 10ℓ-Flasche aus 40 m wünsche ich mir mehr als 50 bar!).
Was wären denn sinnvolle Kriterien?
1. Man erreicht im Notfall sicher die Oberfläche – zusammen mit dem Buddy, der auf seine eigene Luft aus irgendeinem Grund nicht mehr zugreifen kann.
2. Bei einem Tauchgang im Meer reicht die Luft nach dem Auftauchen, um noch eine Weile bei starkem Seegang an der Oberfläche zu schwimmen.
Bei beiden Punkten sollte die Reserve zumindest von der Flaschengröße abhängen.
Pauschal „50 bar“ kann also nicht richtig sein.
Ich möchte hier allerdings eigentlich nur auf Punkt 1 eingehen. Für Punkt 2 kann man bei einem Bootstauchgang noch etwas zusätzliche Reserve lassen.
Der Luftbedarf für einen sicheren Aufstieg hängt natürlich hauptsächlich von der Tiefe ab! Daher habe ich, ausgehend von verschiedenen Annahmen (siehe unten), für gängige Flaschengrößen Diagramme erstellt, die für jede Tiefe einen sinnvollen Reservedruck angeben. Diese stelle ich hier (PDF-Download) zur Verfügung.
(Man lernt zwar in späteren Kursen, den Luftverbrauch vor dem Tauchgang zu berechnen, aber das hilft hier nicht, da in der Realität sowohl Verbrauch als auch Tiefenprofil immer etwas von der Planung abweichen. Für eine genaue Aussage über die nötige Reserve hilft das also nicht.)
Für die Berechnung mache ich folgende Annahmen (unten links im Diagramm): 4 Minuten Problemlösezeit auf Tiefe (z.B. bis der Buddy den Atemregler hat und sich soweit beruhigt, dass der Aufstieg beginnen kann). Dann Aufstieg mit 8 m/min (10 m/min wäre ja "optimal", ist aber nicht immer so gut einzuhalten).
Im roten Bereich ist es bereits für eine Person kritisch; die Grenze liegt bei 20 l/min. Im gelben Bereich kommt man zwar selbst noch nach oben, aber die Luft reicht nicht sicher für den Buddy. Für beide zusammen sind 40 l/min angesetzt, was für eine Stresssituation sogar eher wenig ist!
Der grüne Bereich bedeutet nicht, dass das Tauchen dort sicher ist: es ist nur ein rechnerisches Ergebnis. Insbesondere sollten die persönlichen Grenzen hinsichtlich Tiefe etc. beachtet werden!
Zusätzlich sind noch folgende Informationen im Diagramm:
- gestrichelte Linien für zusätzlichen Dekostopp auf (im Schnitt) 6 m
- auf der unteren Achse: Gewicht der Luft in kg und Angabe in Barlitern (und bar) mit idealem Gasgesetz (die obere Achse und die Gitterlinien sind für reale Gase berechnet, mit der van-der-Waals-Gleichung; siehe unten)
Meistens reicht es für Taucher, Luft als ideales Gas anzunehmen. Dadurch werden viele Formeln und Daumenregeln leichter.
Allerdings ist bei einer Finimeter-Anzeige von „200 bar“ nicht doppelt so viel Luft in der Flasche wie bei „100 bar“! Auch im Bereich bis 200 bar kann die Abweichung von der Realität (d.h. Anzeige auf dem Finimeter) bis zu 10 bar betragen, für Differenzdrücke sogar bis zu etwa 9%. In der Praxis heißt das, dass bei einer Anzeige von 150 bar sozusagen noch 160 bar in der Flasche sind, allerdings nur 280 bar in eine 300-bar-Flasche passen.
Um das Diagramm zu erstellen, das hier zum Download steht, habe ich die Van-der-Waals-Gleichung umgestellt und die Werte für a und b aus Wikipedia eingesetzt.